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Fichte und die Zeit der Bilder

Am 11. September 2014

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Der IX. Kongress der Internationalen Johann Gottlieb Fichte-Gesellschaft wird vom 8. bis 11. September 2015 an der UNED (Universidad Nacional de Educación a Distancia) in Madrid (Spanien) stattfinden. Der Titel des Kongresses lautet: „Fichte und die Zeit der Bilder“.

Man sagt, wir leben in einer Zeit der Bilder, in einer Kultur, in der die Bilder herrschen und unser Welt- und Lebensverständnis leiten. In den Zeitungen und am Fernsehen, in der Werbung und im Internet, in allgegenwärtigen Fotos und im Kino, in den Spielen und auf den Straßen begegnen uns immer mehr Bilder. Sie sind so präsent, als ob sie versuchten, die Welt für uns zu deuten und uns in der Wirklichkeit, ja in den Gefühlen und Wünschen zu orientieren. Es wird von der Macht der Bilder und von einer ikonischen Wende gesprochen.

Aber das Wort „Bild“ hat verschiedene Bedeutungen, die zu beachten sind. Es hat zunächst einmal einen wörtlichen Sinn, wie wenn wir z.B. von unserem Bild in einem Spiegel, in einer Fotografie oder in einem Porträt oder Gemälde sprechen. Dieses Wort kann auch einen übertragenen Sinn annehmen und etwa eine Metapher oder einen bildlichen Ausdruck bezeichnen. Bild bedeutet ebenso Vorstellung oder Verstehen, wenn wir uns etwa ein Bild von etwas machen.

Der Begriff vom Bild hat eine wichtige Rolle in der Philosophiegeschichte gespielt. Platon, und mit ihm die lange Tradition des Platonismus, verstand die Ideen als Urbilder der sinnlichen Dinge, die als Abbilder der ersteren erscheinen. Das Christentum setzte diese Urbilder in den Schöpfergott. Die Neuzeit hat «die Welt als Bild begriffen», so lautet bekanntlich die These Heideggers in seinem Aufsatz „Die Zeit des Weltbildes“; das heißt, «das Sein des Seienden wird in der Vorgestelltheit des Seienden gesucht und gefunden». Dieses „Sich über etwas ins Bild setzen“ finden wir noch einmal im Tractatus von Wittgenstein, wo es geschrieben wird: «Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke» (3); oder: «Die Elemente des Bildes vertreten im Bild die Gegenstände» (2.131).

Auch in der abendländischen religiösen Kultur hat die Bildmetapher eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Das betrifft vor allem den Begriff des imago Dei (Gottesebenbildlichkeit). Ganz am Anfang der Bibel lesen wir: «Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei […]. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde». In den Episteln des Neuen Testament ist vom Christus als Ebenbild Gottes die Rede, und dass die Christen Ebenbild Gottes bzw. Christi werden sollen.

Wie können wir mit Fichte dieses Thema des Bildes entwickeln? Inwiefern kann Fichte uns dazu helfen? Wie hat er das Bild gedacht? Wie ist das Grundphänomen des Bildes aus seiner Sicht zu verstehen? In letzter Zeit ist dieses Thema ein zunehmender Gegenstand der Forschung gewesen. In der ersten Phase von Fichtes Denkweg stellt die Einbildungskraft die Quelle der Bilder und des Bildens dar, ähnlich wie bei Kant, und das Wissen des Ich wird als ideelle Tätigkeit gefasst. Nach dem Atheismusstreit hat er den Begriff des „Bildes“ noch intensiver benutzt. Er legte das Wissen als Bild aus, und behauptet «daß das Seyn nur in Gott sey, nicht ausser ihm, daß drum alles, was im Wissen vorkomme, eben nur seyn könne Bild. […] Die Bilder sind, daß ich mich so ausdrüke, von höchst verschiednen Potenzen; dem Seyn näher liegend, oder entfernter. Wir wollen Wahrheit; dies kann nicht heißen, wir wollen das Seyn, sondern wir wollen allenthalben das dem Seyn am nächsten liegende Bild. […] Die W.L. ist drum eine Analyse des ganzen Bildersystems, in seinen Abstufungen u. Verhältnissen» (WL12, GA II/13, 83).

Dementsprechend könnte das Hauptthema vorläufig in die folgenden Schwerpunkte gegliedert werden, die auch in flexiblem Bezug auf die Fichtische Thematisierung des Bildes gedacht werden sollten:

1. Bild, Bilden, Einbildungskraft
2. Bild und Realität
3. Die Religion und der Begriff des Bildes
4. Das Bild und die ethische Bestimmung des Menschen
5. Das Bild in der juristischen, politischen und historischen Lehre
6. Das ästhetische Bild
7. Die pädagogische Bildung
8. Unsere Zeit der Bilder

Eine konkrete Einteilung der Sektionen nach Forschungsthemen wird erst endgültig festgelegt, nachdem alle Beitragsvorschläge eingegangen sind. Obwohl das Thema des Kongresses das Bild ist, möchte der Kongress die gegenwärtige Forschung an Fichte aufnehmen, so dass jeder den Gegenstand seiner Untersuchung einbringen kann. Das Programm wird in parallele Sektionen eingeteilt.

Jeder Interessierte muss bis zum 30. September 2014 per e-mail (Adresse: fichtekongress2015@gmail.com) den provisorischen Titel sowie die Zuordnung seines Beitrags unter die acht oben angegebenen Schwerpunkte einreichen. Wir bitten dafür das Einschreibeformular zu benutzen. Bis spätestens 15. Dezember 2014 soll ein definitiver Titel mit einer kurzen Zusammenfassung (maximal 3000 Zeichen, Leerzeichen inklusive) per e-mail vorliegen. Die Sprachen des Kongresses sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

Die Kongressgebühren sind 50 €; für Studenten 20 €. Eine finanzielle Unterstützung für die Teilnahme an dem Kongress ist entsprechend unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten vorhergesehen.

Fragen richten Sie bitte an fichtekongress2015@gmail.com.


Kontakt :
Ort(e) :
Madrid